Wenn Wünsche nicht wahr werden

Aktualisiert: 25. Mai 2021




Kennt ihr das auch? Dieses Gefühl im Bauch etwas stimmt nicht und man weiß überhaupt nicht was? Oder eine leise Vorahnung die man nicht zuordnen kann, die einen aber innerlich nervös macht? Mir erging es so ein paar Tage vor meinem Organscreeningtermin am 12.04.2021.


Aber vorne weg ein paar facts über mich für alle die mich nicht so gut kennen.

Ich heiße Romana und bin (jetzt) 36 Jahre alt, verheiratet und habe eine wunderbare 5 Jahre alte Tochter für die wir fast 6 Jahre gebraucht haben.

Getreu nach dem Motto: Gut Ding braucht Weile.


Ich schwanger oder wie?

Die Schwangerschaft zu Dominik kam im Gegensatz sehr überraschend für mich. Wir hatten (sofern ich mich korrekt erinnere:)) mit Kondom verhütet. Außerdem war ich erst zwei Monate in meinem Traumjob, in dem ich mich pudelwohl fühlte.

Richtige erste Freude kam also bei mir nicht auf. Ich fühlte mich überfordert und war unsicher.

Es dauerte ein paar Tage und die Weihnachtsfeiertage bis ich mich wirklich auf den kleinen Bauchzwerg freuen konnte. Aber tat dies mit voller Hingabe. Naja sofern man mit einem Kind plus Job und Schwangerschaftsbeschwerden dazu überhaupt fähig ist.

Da wir von der ersten Schwangerschaft sehr verwöhnt waren und wir auch damals keine extra Vorsogeuntersuchungen gemacht hatten war für mich auch klar. Nackenfaltenmessung, nein danke. Ich hatte innerlich eine extreme Abneigung gespürt und stand auch zu meiner Entscheidung gegen diese Untersuchung.

Aber eines Tages hatte ich das intensive Verlangen ein Organscreening machen zu lassen. Ich fragte ein paar Freundinnen nach Empfehlungen und bekam für 12.04. dann auch meinen Termin.


Vorahnungen und Organscreening

Fast forward zu ca. zwei Tage vor dem besagtem Organscreening.

Ich fühlte mich innerlich extrem unruhig und brauchte sehr viel Geborgenheit von meinem Partner. Natürlich schob ich dies auf meine Hormone aber vielleicht hatte ich schon eine kleine Vorahnung was mich kommende Woche erwarten würde.

Ich spürte eine tiefe Trauer und weinte grundlos.

Am Montag dem 12.02. war ich noch vor meinen Termin in der Arbeit. Meine Kollegin bat mich einen Kalender am Eingang abzulegen und als ich dies tat griff ich nach einen Stapel Zeitschriften. Ich hörte klar eine innere Stimme sagen: Nimm das! Schau es an!

Als ich auf dem Weg zum Auto die Zeitschrift "Eltern" ansah erschrak ich.

"Mein Baby ist anders. Wie es Eltern geht..."

Weiter konnte ich gar nicht lesen weil meine erste Reaktion war: "Scheiße unser Kind ist behindert."

Sofort rügte ich mich selbst wie ich so was unsinniges denken kann. War aber plötzlich extrem angespannt, was ich wiederum auf meinen Hunger schob.

Ich fuhr also nach Hause aß und fuhr, extrem nervös und leicht verspätet, allein zur Untersuchung.

Wegen den Coronamaßnahmen und meiner Nervosität fand ich den Haupteingang natürlich nicht sofort und irrte in der Tiefgarage von einem versperrten Aufgang zum Nächsten.

Angekommen ging alles ziemlich rasch und fand mich schnurstracks auf der Behandlungsliege wieder.

Der Arzt fing an und war ziemlich schnell sehr ruhig. Ich dachte mir naja vielleicht ist er eher nicht so gesprächig, ich bin ja schließlich das erste Mal da.

Über das Gehirn hat er eigentlich nichts gesagt, und meinte nur, schauen wir mal weiter.

So untersuchte er unseren Bauchzwerg und fragte nur kurz ob ich denn eine Nackenfaltenmessung machen haben lassen, was ich mit nein beantwortet.

Jetzt wusste ich scheiße da passt was nicht.

Als er aber die schwere aufzählte wurde mir unter der Maske plötzlich extrem schwindelig.

Gehirn, Herz, Arme und Beine seien von unserem Buben betroffen. Es schaut gar nicht gut aus.

Ich setzte mich in Schockstarre auf den Sessel neben dem Screening und schaute nur ins Leere.

Mein Arzt, selbst sehr nervös, lief hin und her und war sich nicht sicher ob wir sofort eine Fruchtwasseruntersuchung machen sollten oder gleich am nächsten Tag.

Seine Ordinationsassistentin meinte dann Morgen wäre besser weil sie das ja immer mit zwei Ärzten durchführen.

Da ich in einer privaten Praxis war setzte ich mich zum Zahlen hin und war noch immer neben mir.

Zum Glück meinte dann die nette Assistentin mein Mann dürfe ausnahmsweise mitkommen wenn er denn einen negativen Antigentest vorweisen kann.

Sie wird dann alles mit dem Eingang regeln und wenn es nicht klappt sollen sie anrufen.

Als ich aus der Türe ins freie ging haben mich dann die Tränen übermannt.

Noch bevor ich mich dem hingab hab ich noch meinen Mann angerufen und gemeint er und unsere Tochter sollen nicht auf mich bis zum Einschlafen warten (es war schon 19:00 Uhr herum) weil es schaut gar nicht gut aus mit unserem Baby.

Mein Mann meinte nur Geistesgegenwärtig ob ich überhaupt fahren kann aber ich wollte auf niemanden warten und SOFORT nach Hause.

Auch einer Freundin habe ich eine tieftraurige Nachricht raufgesprochen und meinen Kolleginnen eine Nachricht geschrieben, weil sie schon auf meine Nachricht gewartet haben ob es ein Mädchen oder ein Junge wird.

Ich entschied mich nicht über die Autobahn sondern langsam über die Landstraße nach Hause zu fahren.

Phasenweise brachen die Tränen aus mir heraus aber ich schaffte es sicher nach Hause.

Zu Hause angekommen saß ich noch eine zeitlang im Auto und weinte.






Die erste Verabschiedung

Als unsere Maus endlich eingeschlafen war konnte ich auch mit meinem Mann alles besprechen. Wir umarmten uns und waren gemeinsam traurig.

"Wir werden das zusammen schaffen." meinte er nur. Und "Wir müssen uns wohl von unserer Vorstellung wie wir gerne diese Familie gehabt hätten verabschieden."

Das war mein Schlüsselsatz!

Ja. Egal was auch jetzt noch kommen wird, so wie wir uns das gewünscht hätten wird es auf keinen Fall kommen.

Ich beschloss für mich diesen Wunsch mit einem kleinen Ritual für mich zu beerdigen.

In meinem Geiste überlies ich dieses Wunschbild ins Wasser und zündete auch eine Kerze an.

An diesem Abend schliefen wir alle zusammen in einem Zimmer.

Im Bett redete ich mit unserem Baby: "Jetzt weiß ich gar nicht wie ich zu dir sagen soll. Bitte sag mir doch deinen Namen. Am Besten im Schlaf!"

Aber ich konnte nicht einschlafen.

Also tat ich das was ich immer mache wenn ich keinen Ausweg mehr sehe; ich bat um Hilfe.

Gott (oder wie ich gern sage die Ursuppe), alle Ahnen und Ahninen, Schutzgeister und was mir gerade einfiel bat ich uns zu begleiten und führen. So lange bis ich aus Erschöpfung ein wenig schlief. Sobald ich aufwachte machte ich damit weiter bis zu den Morgenstunden.

Als unsere Maus dann am Morgen neben uns aufwachte, hörte ich im Traum sicher fünf Mal einen Buben Dominik sagen.

"Dominik also" dachte ich mir und stand auf...


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